AutoCAD oder Revit: Was ist der Unterschied?
AutoCAD oder Revit: Wo liegt der Unterschied, und welches Programm brauchen Sie? Die kurze Antwort ist, dass hier kein Wettbewerb zwischen zwei ähnlichen Programmen stattfindet, sondern eine Entscheidung zwischen zwei Arbeitsweisen ansteht. AutoCAD ist ein Zeichenwerkzeug, mit dem Sie so gut wie alles zeichnen; Revit ist ein Entwurfswerkzeug, mit dem Sie gezielt Gebäude in einem intelligenten, zusammenhängenden Modell bauen. Wer die beiden als Konkurrenten betrachtet, stellt die falsche Frage und riskiert den falschen, teuren Kauf. Die richtige Frage lautet nicht, welches der beiden das bessere ist, sondern welches zu Ihrer Arbeit passt: Zeichnen Sie, oder entwerfen Sie Gebäude?
Im Folgenden erkläre ich, was jedes Programm wirklich tut, warum sich die beiden so stark unterscheiden, für wen das eine sinnvoller ist als das andere, was sie kosten und warum viele am Ende beide einsetzen. So entscheiden Sie auf Grundlage Ihrer Arbeit und nicht danach, welchen Namen Sie am häufigsten hören.
Was ist der eigentliche Unterschied?
Der Unterschied liegt nicht in dem, was Sie auf dem Bildschirm sehen, sondern in dem, was darunter passiert. In AutoCAD zeichnen Sie Linien, Kreise und Formen. Eine Wand ist ein paar Linien, die Sie Wand nennen; das Programm weiß nicht, dass es eine Wand ist. Genau das macht AutoCAD ungemein flexibel: Sie zeichnen damit einen Grundriss, ein Maschinenteil, einen Schaltplan oder einen Gartenentwurf, denn es schreibt Ihnen nichts vor.
In Revit zeichnen Sie keine Linien, sondern setzen echte Bauelemente: Eine Wand ist eine Wand, mit einer Dicke, einem Material und einer Höhe, und das Programm weiß das. Sie bauen im Grunde ein digitales Gebäude, und sämtliche Zeichnungen, Ansichten und Auswertungen entstehen automatisch aus diesem einen Modell. Verschieben Sie ein Fenster, ändert es sich überall mit. Das ist der Kern dessen, was man BIM nennt: bauen mit Informationen statt mit losen Linien.
Daher rührt der ganze Unterschied. AutoCAD ist ein universelles Zeichenwerkzeug, das nichts von Ihrem Fach weiß und gerade deshalb überall einsetzbar ist. Revit ist ein spezialisiertes Werkzeug, das sehr viel über Gebäude weiß und gerade deshalb außerhalb des Bauwesens wenig Nutzen hat. Das eine ist nicht besser als das andere; sie sind für Verschiedenes gemacht.
Diesen Unterschied sehen Sie auch an den Dateien. AutoCAD arbeitet mit dem DWG-Format, das in nahezu der gesamten technischen Welt gelesen und ausgetauscht wird; es ist praktisch zur Standardsprache technischer Zeichnungen geworden. Revit arbeitet mit seiner eigenen Modelldatei, die den vollständigen Zusammenhang enthält, die Sie aber außerhalb von Revit nicht einfach öffnen. Aus Revit heraus können Sie zwar nach DWG exportieren, um Zeichnungen zu teilen, und das geschieht in der Praxis ständig, doch es zeigt, dass AutoCAD zugleich die Rolle der gemeinsamen Austauschsprache erfüllt, auch bei Projekten, die in Revit entworfen werden.
Dieser Unterschied hat handfeste Folgen für den Alltag. Weil die Bauelemente in Revit Eigenschaften tragen, kennt das Modell auch Mengen: Wie viele Türen eines Typs verbaut sind, wie groß eine Fläche ist oder welche Wände zu einem Geschoss gehören, lässt sich direkt aus dem Modell auslesen und in Listen ausgeben. Ändern Sie etwas, aktualisieren sich diese Listen mit. In AutoCAD zählen und pflegen Sie solche Angaben selbst, weil die Linien nichts über sich wissen. Für einen schnellen Grundriss ist das kein Problem; bei einem großen Gebäude, das sich über Monate ständig ändert, wird genau diese Handarbeit zur Fehlerquelle, und darin liegt ein guter Teil des Werts, für den Revit seinen höheren Preis verlangt.
| AutoCAD | Revit | |
|---|---|---|
| Was Sie erstellen | Zeichnungen von nahezu allem | Ein zusammenhängendes Gebäudemodell (BIM) |
| Arbeitet mit | Linien und Formen | Echten Bauelementen mit Eigenschaften |
| Fachgebiet | Jedes Fach: Bau, Technik, Anlagen, mehr | Architektur und Bau |
| Stärkste Seite | Freiheit und Flexibilität | Zusammenhang und Zusammenarbeit |
| Preis pro Jahr | 2.203,00 € | 3.159,00 € |
Wann sollten Sie AutoCAD wählen?
Sie wählen AutoCAD, wenn Ihr Fach nicht nur Gebäude betrifft oder wenn Sie vor allem in zwei Dimensionen zeichnen. Die Stärke von AutoCAD ist, dass es von nichts ausgeht, also passt es zu Maschinenbau, Anlagentechnik, Elektrotechnik, Infrastruktur, Innenausbau und zahllosen weiteren Fächern. Für präzise technische Zeichnungen, bei denen Bemaßung und Klarheit zählen, ist es seit Jahrzehnten der Standard.
AutoCAD ist auch die naheliegende Wahl, wenn Sie mit vielen verschiedenen Arten von Arbeit zu tun haben und nicht in einem einzigen Fachgebiet feststecken. Ein Planungsbüro, das heute eine Fabrikhalle einteilt und morgen einen Rohrleitungsplan zeichnet, profitiert von einem Werkzeug, das sich jeder Aufgabe anpasst. Genau diese Vielseitigkeit ist der Punkt, an dem Revit passt, denn Revit ist bewusst auf eine Sache ausgerichtet.
Ein weiterer Grund, bei AutoCAD zu bleiben, ist die Welt um Sie herum. Weil so viele Fachkollegen, Zulieferer und Auftraggeber mit DWG-Zeichnungen arbeiten, schließen Sie mit AutoCAD mühelos an die bestehende Art des Austauschs an. Bekommen Sie regelmäßig Zeichnungen geliefert, auf denen Sie weiterbauen, oder müssen Sie Ihre Arbeit in einer Form abgeben, die jeder öffnen kann, dann ist AutoCAD oft die sicherste Wahl, schlicht weil es die Sprache spricht, die auch der Rest der Kette spricht.
Und wenn ich nur in 2D zeichne?
Dann ist das vollständige AutoCAD vielleicht mehr, als Sie brauchen. Für rein zweidimensionale Arbeit gibt es AutoCAD LT, eine günstigere Version ohne 3D und ohne die spezialisierten Branchenwerkzeuge. Wer nie in drei Dimensionen arbeitet, bezahlt mit der Vollversion für Funktionen, die ungenutzt bleiben. Es lohnt sich also, zuerst ehrlich festzustellen, ob Sie 3D wirklich nutzen, bevor Sie zur teureren Option greifen.
Wann sollten Sie Revit wählen?
Sie wählen Revit, wenn Sie Gebäude entwerfen und mit anderen an demselben Projekt zusammenarbeiten. Der große Gewinn von Revit ist, dass alles in einem Modell steckt: Passt der Architekt ein Geschoss an, sehen der Tragwerksplaner und der Fachplaner für die Gebäudetechnik diese Änderung in ihren eigenen Ansichten. Das verhindert die Fehler, die entstehen, wenn jeder auf losen Zeichnungen arbeitet, die nicht mehr zueinander passen, und genau diese Fehler kosten im Bau am meisten Geld, wenn sie erst auf der Baustelle ans Licht kommen.
Für Architekten, Tragwerksplaner und Fachplaner in größeren Bauprojekten ist Revit deshalb oft keine Wahl, sondern eine Vorgabe, weil Auftraggeber und Projektpartner in BIM arbeiten. Sind Sie in dieser Welt tätig, liefert Ihnen Revit nicht nur schönere Zeichnungen, sondern vor allem geringere Fehlerkosten, weil das Modell den Zusammenhang wahrt, den ein Mensch über Hunderte von Zeichnungen niemals fehlerfrei im Blick behalten kann. Bei öffentlichen Aufträgen und großen Ausschreibungen wird das Arbeiten in BIM zudem immer häufiger zur Pflicht, was manchen Büros die Entscheidung für Revit sogar abnimmt.
Außerhalb des Bauwesens hat Revit wenig zu bieten. Wer keine Gebäude entwirft, kauft mit Revit ein spezialisiertes Werkzeug, von dem er den größten Teil nie nutzt. Dann bezahlen Sie mehr für weniger Nutzen, und das ist genau der Fehler, zu dem der bekannte Name von Revit gelegentlich verleitet.
Ist Revit schwerer zu lernen?
Ja, und das ist ein ehrlicher Nachteil, der in der Werbung selten zur Sprache kommt. Weil Sie in Revit mit echten Bauelementen und einem zusammenhängenden Modell arbeiten, müssen Sie zuerst die Logik dahinter verstehen, bevor Sie produktiv sind. AutoCAD ist zugänglicher: Linien zeichnen verstehen Sie so gut wie sofort, auch ohne Schulung. Revit verlangt eine Investition an Lernzeit, die sich erst auszahlt, wenn Sie damit tatsächlich Gebäude entwerfen.
Damit wird die Wahl auch zu einer Frage, wie viel Zeit Sie hineinstecken wollen. Für gelegentliche oder einfache Arbeit ist die steile Lernkurve von Revit selten die Mühe wert; dann sind Sie mit AutoCAD schneller startklar. Für wen der Bau tägliche Arbeit ist, zahlt sich diese Lernzeit reichlich aus, weil das Modell danach jede Änderung für Sie mitführt.
Kann AutoCAD auch 3D?
Ja, und das sorgt für viel Verwirrung, denn manche denken, 3D sei der Unterschied zwischen AutoCAD und Revit. Das ist es nicht. AutoCAD kann sehr wohl in drei Dimensionen modellieren, aber es tut das auf seine eigene Art: Sie bauen freie Formen, die das Programm nicht als Bauelemente erkennt. Eine 3D-Form in AutoCAD ist eine Form, keine Wand und kein Boden mit Eigenschaften.
Der Unterschied zu Revit liegt also nicht in der Dimension, sondern in der Bedeutung. Revit weiß, dass eine Wand eine Wand ist, und führt alle Folgen davon mit; AutoCAD erzeugt die Form und überlässt die Bedeutung Ihnen. Für freie 3D-Arbeit, etwa ein Maschinenteil oder ein Produkt, ist der Ansatz von AutoCAD gerade angenehm, weil Sie nicht an die Logik eines Gebäudes gebunden sind. Für ein Gebäude gilt das Umgekehrte: Da wollen Sie gerade, dass das Programm den Zusammenhang wahrt.
Wer also 3D braucht, sollte nicht fragen, welches Programm 3D kann, sondern welche Art von 3D. Bauen Sie Gebäude, ist das intelligente, zusammenhängende 3D von Revit die richtige Wahl. Modellieren Sie einzelne Objekte oder Bauteile, ist das freie 3D von AutoCAD sinnvoller, und Revit steht Ihnen dann eher im Weg. Auch hier bestimmt Ihr Fach die Wahl, nicht die Frage, ob etwas dreidimensional geht.
Können Sie beide brauchen?
Ja, und in der Praxis kommt das häufig vor. Viele Büros entwerfen das Gebäude in Revit, nutzen aber AutoCAD für Detailzeichnungen, für Anschlüsse an Bestandsarbeit oder für Bauteile, die nicht in das BIM-Modell passen. Die beiden schließen sich nicht aus; sie ergänzen sich, wobei Revit den Zusammenhang des Ganzen wahrt und AutoCAD die Freiheit für das Besondere gibt.
Brauchen Sie beide, ist der getrennte Kauf von zwei Abonnements selten der günstigste Weg. Autodesk bündelt AutoCAD, Revit und eine Reihe weiterer Bauprogramme in der AEC Collection, was günstiger ausfällt als die einzelnen Pakete, sobald Sie mehr als eines davon nutzen. Ob sich dieses Paket für Sie lohnt, hängt davon ab, wie viel darin Sie tatsächlich einsetzen; diese Rechnung mache ich in Revit einzeln oder AEC Collection.
Als grobe Faustregel gilt: Nutzen Sie nur eines der Programme, fahren Sie mit der einzelnen Lizenz günstiger. Sobald Sie zwei oder mehr der enthaltenen Werkzeuge regelmäßig einsetzen, kippt die Rechnung zugunsten der Collection, weil Sie für das Bündel weniger zahlen als für die Summe der Einzelabos. Entscheidend ist dabei nicht, wie viele Programme im Paket stecken, sondern wie viele davon Sie wirklich anfassen; ein Werkzeug, das Sie einmal im Jahr öffnen, rechtfertigt kein größeres Abonnement. Rechnen Sie es an Ihrem eigenen Bedarf durch, statt sich von der Länge der Programmliste beeindrucken zu lassen, bevor Sie zum umfangreicheren Paket greifen.
Wie treffen Sie die Entscheidung?
Fangen Sie nicht beim Preis an und nicht bei dem Namen, den Ihr Kollege benutzt, sondern bei dem, was Sie wirklich erstellen. Entwerfen Sie Gebäude und arbeiten Sie in Bauprojekten zusammen, dann ist Revit trotz des höheren Preises die naheliegende Wahl, weil der Zusammenhang Ihnen Fehlerkosten erspart. Zeichnen Sie Verschiedenes, arbeiten Sie vor allem in 2D oder sind Sie außerhalb des Bauwesens tätig, dann ist AutoCAD vielseitiger und günstiger, und Revit wäre ein teurer Fehlgriff.
Zögern Sie noch, weil Ihre Arbeit an der Grenze liegt, dann hilft es, einen Schritt zurückzutreten und breiter zu schauen, was zu Ihrem Fach passt. In welche Autodesk-Software zu Ihnen passt gehe ich die wichtigsten Pakete danach durch, was Sie tun, damit Sie nicht nach Name oder Gewohnheit wählen, sondern nach Ihrer eigenen Praxis. Das ist am Ende der einzige gute Grund, für das eine oder das andere zu bezahlen.
Und achten Sie beim Kauf auf die Herkunft Ihrer Lizenz. Beide Programme sind teuer, also ist die Versuchung groß, irgendwo einen billigen Schlüssel zu besorgen, doch eine Lizenz unbekannter Herkunft kann später gesperrt werden und lässt Sie bei einer Prüfung ohne Nachweis dastehen. Kaufen Sie bei einem Verkäufer, der Ihnen eine Rechnung auf Ihren Namen ausstellt und erklären kann, woher die Lizenz stammt; nur so bleibt der niedrigere Preis auch wirklich eine Ersparnis.
Zum Schluss eine Beruhigung: Ihre Wahl gilt nicht fürs Leben. Ändert sich Ihre Arbeit, können Sie später umsteigen oder das andere Paket dazunehmen, und die DWG-Zeichnungen, die Sie unterwegs erstellen, bleiben überall verwendbar. Wählen Sie also nach dem, was Sie heute tun, statt nach dem, was Sie irgendwann vielleicht tun. Wer jetzt zu dem Programm greift, das zu seiner aktuellen Arbeit passt, bezahlt nicht zu viel und hält sich die Tür offen, später nachzusteuern, und das ist klüger, als gleich das teuerste oder das bekannteste Paket zu nehmen, weil es sich sicher anfühlt.
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